Wann ist die Grenze zur Sehbehinderung überschritten?

Die Frage, wo die Fehlsichtigkeit aufhört und eine Sehbehinderung beginnt, wurde auf einem aktuellen Medizinerkongress diskutiert.

So zählen zu den gut korrigierbaren Fehlsichtigkeiten die Kurzsichtigkeit (Myopie), die Übersichtigkeit (Hyperopie), die Stabsichtigkeit (Astigmatismus) und die Alterssichtigkeit (Presbyopie). Darüber hinaus leben in Deutschland etwa 650.000 Menschen mit einer Sehbehinderung, die nicht wie Fehlsichtigkeiten mit den üblichen Brillen oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden kann.

Eine Sehbehinderung kann angeboren sein, im Verlauf einer Krankheit entstehen, durch einen Unfall hervorgerufen werden oder sich altersbedingt entwickeln. Je nach Ursache hat die Sehbeeinträchtigung unterschiedliche Erscheinungsformen : stark herabgesetzte zentrale Sehschärfe (z.B. bei einer Netzhautkrankheit wie der Makuladegeneration), ein sich mehr und mehr verengendes Gesichtsfeld (Retinitis pigmentosa) oder Ausfälle des Gesichtsfeldes (Glaukom). In vielen Fällen sind die Betroffenen noch besonders empfindlich gegen Blendung und haben oft auch eine gestörte Farbwahrnehmung.

Ausgehend von einer Norm für die Sehschärfe von 100 Prozent gilt als sehbehindert, wer trotz Brille oder Kontaktlinsen höchstens 30, mindestens aber fünf Prozent erreicht. Liegt der Wert zwischen fünf und zwei Prozent, spricht man von einer hochgradigen Sehbehinderung. Mit einer Sehleistung unter zwei Prozent, die praktisch nur noch die Wahrnehmung von Hell-/Dunkel ermöglicht, gilt man im Sinne des Gesetzes als blind.

Welche der vielfältigen Möglichkeiten sich für den einzelnen Patienten in seiner individuellen Situation als wertvolle Hilfe erweisen wird und welche ihn eher überfordern würde, hängt u.a. davon ab, in welchem Lebensalter seine Sehbehinderung beginnt. Augenkrankheiten, die erst im höheren Lebensalter zum Verlust der Sehschärfe führen oder sie stark beeinträchtigen, treffen die Patienten meist unvermittelt. Mit dem PC sind heute noch die wenigsten vertraut und unter den erschwerten Umständen einer Sehbehinderung lässt sich der Umgang mit der modernen Technik nur schwer erlernen.

Leselupen sind nach wie vor für viele Menschen die beste vergrößernde Sehhilfe. Mit einem Kamerasystem in Verbindung mit dem Fernseher oder dem Bildschirm des Computers lassen sich wesentlich stärkere Vergrößerungen der Schrift erreichen. Das Schriftstück (Buchseite, Zeitungsausschnitt, Kontoauszug) wird auf eine bewegliche Fläche unter die Kamera gelegt. Aber je stärker die Vergrößerung, desto kleiner der Ausschnitt, sodass eine gute Gedächtnisleistung erforderlich ist, um den Zusammenhang zu erfassen. Neben den optisch elektronischen Hilfen gibt es auch akustische, in die man z.B. Zeitungsseiten einscannt. Kurz darauf werden sie dann von einer synthetischen Stimme vorgelesen. Während solche intelligenten Systeme für sehbehinderte Menschen im Beruf eine entscheidende Rolle spielen, meistern Ältere ihre alltäglichen Anforderungen zumeist mit den klassischen vergrößernden Sehhilfen.

Weiterführende Informationen zum Thema Fehlsichtigkeit und Sehbehinderung erhalten Sie sowohl beim Augenarzt als auch beim Augenoptiker.

Dr. med. Söllner
Dr. med. Thilo Söllner
Hugenottenallee 90
63263 Neu-Isenburg

Tel. 06102 / 27056
praxis@dr-soellner.de