Lästiger Tränenfluss jetzt erfolgreich behandelbar

Stetig schwimmende Augen können auf einen Engpass in den Tränenkanälen hindeuten. Etwa fünf Prozent aller Patienten, die in eine Augenklinik kommen, klagen über den lästigen Tränenfluss, der ihre Sicht beeinträchtigt und in schweren Fällen sogar einen Wechsel des Arbeitsplatzes erforderlich machen kann.

Dr. Kai Wilhelm von der Universität Bonn hat eine neue Methode entwickelt, dieses unangenehme Leiden zu beheben: Mit einem haarfeinen Ballonkatheter weitet er die Einschnürung; in einigen Fällen verhindert aber erst das Einbringen einer dünnen Leitschiene als Stütze (Stent), dass sich der Tränenweg wieder verschließt.

Als Vorbild für die neue Behandlungsmethode diente dem Bonner Mediziner die Behandlung verengter Blutgefäße: Dabei schiebt man einen dünnen Schlauch, einen so genannten Katheter, unter Röntgenkontrolle durch die verengte Ader zur Einschnürung vor und pumpt ihn dort auf, um das betroffene Gefäß zu weiten. Problem: Die Tränenkanäle sind sehr viel dünner. So feine Ballonkatheter mussten erst noch konstruiert werden.

Wilhelm entwickelte daher einen speziellen Katheter, den er über die Tränenpünktchen, das sind die kleinen Einmündungen oberhalb und unterhalb des inneren Augenwinkels, in die Tränenwege einfädeln kann. Normalerweise dünner als ein Millimeter, lässt er sich auf bis zu drei Millimeter aufblasen, um den Verschluss zu sprengen. Neuerdings verfügt der Mediziner auch über eine Stütze, die den Tränenapparat schient. Dieser so genannten Stent kann für ungefähr einen Monat im Tränenapparat belassen werden. Er verhindert, dass die Tränenwege nach der Behandlung wieder zusammenschnurren. Der Eingriff erfolgt ambulant unter lokaler Betäubung. Den richtigen Sitz von Katheter oder Stent sowie den Erfolg der Behandlung überprüft Wilhelm dann auf dem Röntgenbild.

Mehr als 180 Patienten hat der Wilhelm bereits mit der neuen Methode behandelt – mit hervorragendem Erfolg: In über 80 Prozent der Fälle konnte er die Verengung dauerhaft beseitigen. Der neue Tränenwegsstent verspricht nun auch dann Erfolg, wenn die Tränenwege durch das umgebende Gewebe sofort wieder zusammengedrückt werden. Die Krankenkassen zahlen das Verfahren jedoch zurzeit noch nicht.

Dr. med. Söllner
Dr. med. Thilo Söllner
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